Der Radsportbezirk Oberbayern trauert um Otto Knoll

Ein Leben für und mit dem Radsport ist vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Nach schwerer Krankheit müssen wir von einem der beliebtesten Radsportfunktionäre Bayerns Abschied nehmen.

Seit 1961 war Otto im Rennsattel unterwegs. Zunächst als erfolgreicher Amateur in den Reihen des RSV Rosenheim, dem er sein Leben lang die Treue hielt. Als Sportler wurde er zweimal bayerischer Mannschaftsmeister und fuhr mehr als 170 Rennen. Er kannte also den Radrennsport „von der Pike auf“. Früh aber war er auch bereit Verantwortung zu übernehmen. Zunächst als Trainer im Verein, dann aber auch als Straßenfachwart im Bayerischen Radsportverband. Zusammen mit dem damaligen Trainer Albert Rinn führte er eine ganze Generation junger Talente in eine erfolgreiche Zukunft auf zwei Rädern. Bis vor wenigen Jahren war er noch als Revisor im Bezirk Oberbayern engagiert.

Seine große Erfahrung brachte Otto in die Organisation wichtiger Rennen ein. So organisierte er mit seinem Verein nicht weniger als 4 Deutsche Meisterschaften und war Gründungsmitglied der Bayern Rundfahrt, die er über einen sehr langen Zeitraum als Zeitnehmer und als renommierter Starter bei Zeitfahren unterstützte.

Er war eine feste Größe in der Rundfahrt-Familie. Es gibt wohl kaum einen deutschen Radsport-Kommissär der von sich behaupten kann, mehr Radsportprominenz am Sattel gehalten oder auf die Zeitfahrstrecke geschickt zu haben. John Degenkolb, Erik Zabel oder Michael Rich aber auch Geraint Thomas, Sir Bradly Wiggins und Thibaut Pinot – Otto schickte sie alle ruhig und mit Präzision in die Zeitfahren. Die Krönung seiner Kampfrichtertätigkeit waren sicher die Olympischen Spiele in München 1972, aber auch mehr als 3 Dutzend Masters-Weltmeisterschaften in Sankt Johann und 37 Deutsche Meisterschaften betreute der geborene Brannenburger, der dem Inntal sein Leben lang treu blieb. Auch wenn ihn in den letzten Jahren sein Weg oft auf die Insel Rügen führte, wo er ein kleines Anwesen renovierte.  Auch innerhalb der Familie verstand er es, seine Vorliebe und sein Talent weiterzugeben. Sein Sohn Otto mischte einige Jahre die Rennsport-Szene in Bayern ordentlich auf und konnte zahlreiche Siege erzielen.

 

 

Beruflich war er im Vertrieb eines Betonbauunternehmens in Rosenheim verwurzelt. Zusammen mit dem letztes Jahr verstorbenen Ludwig Dengler betreute Otto über Jahrzehnte als Kampfrichter die oberbayerischen Rennen und sah sich stets als ruhender Pol und immer geduldiger Sachwalter der Sportler. Otto fand in Diskussionen immer zu ruhigen und verbindenden Entscheidungen, ein „Basta“ war ihm fremd. Erst Denken, dann entscheiden und dann reden war sein Dreiklang. Ein sehr liebenswerter Zeitgenosse und Diener seines Radsportes und so gar kein „Funktionär“. Ein Begriff, den er nie verkörpern wollte. Seine Verdienste wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. So war er Ehrenmitglied des Bayerischen Radsportverbandes, Träger der Ehrennadel des Bundes Deutscher Radfahrer und Mitglied der Bundes-Ehrengilde.

Die bayerische Radsportfamilie, die Kampfrichter-Kollegen aus Oberbayern und die tiroler und oberbayerischen Ausrichter werden Otto sehr vermissen! (Für die Bilder geht ein Dank an Manfred Marr).

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